Bild1 SchmackeduzchenDas Kunst und Satire ein Ausdruck von politischen Engagement sein können, wurde den Schülern*innen der Klassen zehn bis zwölf der Freien Waldorfschule und des Friedrich-Spee- Gymnasiums am vergangenen Mittwoch mithilfe des Theaterstücks "Das Schmackeduzchen" verdeutlicht. In dem Stück, dessen Aufführung vor den Schüler*innen im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durch die Partnerschaft für Demokratie Trier gefördert wurde, wird das Leben der Claire Waldoff frei nacherzählt.

Waldoff kam Anfang des letzten Jahrhunderts aus dem Ruhrpott nach Berlin. Nachdem ihr erstes Stück in der Kaiserzeit der Zensur zum Opfer fiel, konzentrierte sie sich auf subversive Satire und brachte es in der Hauptstadt zu einiger Berühmtheit. Bis heute bekannt sind Lieder der Künstlerin wie "Wer schmeißt denn da mit Lehm?" und "Nach meene Beene is ja janz Berlin verrückt".

Wie aktuell das Wirken der Künstlerin auch heute noch ist, machte Drehbuchautor und Regisseur Carsten Müller im Gespräch mit den Schüler*innen deutlich. So habe sie sich schon früh für die Emanzipation der Frauen, auch im politischen Bereich, eingesetzt und den Schönheitswahn der Weimarer Jahre kritisiert. Außerdem wurde in der Diskussion ihre Freundschaft zu dem Schriftsteller Kurt Tucholsky thematisiert, dessen Ausführungen mit dem Titel "Was darf Satire?" derzeit kaum aktueller sein könnten. Für einen Schüler stand dabei fest: "Satire ist auch Ausdruck von Kunst und Kunst darf schon relativ viel".

Ihre politische Einstellung und die gleichgeschlechtliche Beziehung zu Olga von Roeder wurde Claire Waldoff in der Nazizeit zum Verhängnis, weshalb sie Berlin Anfang der 40er Jahre verlassen musste und sich still im ländlichen Bayern niederließ, wo sie Ende der 50er in Armut verstarb.

 

 BMFSFJ DL mitFoerderzusatz RZ

Abb: Katja Büdinger und Johannes Metzdorf.