Cafe Welcome Euren

 

Im Garten hinter dem Druckwerk in Trier-Euren hat Heidi Weis, die Initiatorin des Cafés, ein Seil zwischen zwei Bäumen gespannt. Ein kleiner Junge wagt den Balanceakt zuerst. Dabei unterstützen ihn Heidi Weis und eine ehrenamtliche Helferin des Eurener Lerncafés.

Im Café haben die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer Kuchen, Café und andere Getränke und Leckereien bereit gestellt. Nach und nach füllt sich der Raum: BesucherInnen und Ehrenamtliche begrüßen sich herzlich, erste lebhafte Gespräche kommen auf. Das Lerncafé ist mehr als ein Café, es bietet interessierten MigrantInnen und Geflüchteten ein erstes Kennenlernen mit den Menschen im Stadtteil und der deutschen Sprache.

„Da würde jeder Deutschlehrer verzweifeln“, scherzt Heiner Finke. Der Ingenieur bietet im Lerncafé Trier-Euren Sprachkurse für MigrantInnen an. Dabei komme es oft vor, so betont er, dass seine Schüler aus völlig unterschiedlichen Ländern kommen: „Da sitzen dann 16 Menschen mit sechs verschiedenen Muttersprachen vor dir.“ Zusätzlich variieren ihre Deutschkenntnisse und ihre Leistungsfähigkeit sehr stark. Darum versuche man immer wieder, die Klasse in drei Lernstufen zu unterteilen. Erschwert wird dieses Vorhaben allerdings dadurch, dass niemand wissen kann, wie lange die einzelnen Personen zum Lerncafé kommen können.

Der Deutschkurs ist Teil des Eurener Lerncafés, für das sich besonders der Ortsvorsteher Hans-Alwin Schmitz einsetzt: „Den Menschen die hier sind, denen müssen wir helfen!“ Deshalb ist das Lerncafé deutlich mehr als eine bloße Sprachschule. Geflüchtete Kinder finden hier Raum zum Spielen und Toben. Ihre Eltern können sich mit Gleichgesinnten austauschen oder neue Kontakte zu Trierern knüpfen. „Wenn wir es schaffen, den Leute eine Wohnung oder eine Arbeitsstelle zu besorgen, dann schaffen wir es dadurch, sie zu integrieren“, erklärt Schmitz. So kommt es, dass die freiwilligen Helfer nicht für bestimmte Tätigkeiten eingeplant werden, sondern anpacken, wo es nur geht. Jede Form der Unterstützung ist dabei hilfreich. Insgesamt wird das Projekt von rund 15 Ehrenamtlichen am Leben gehalten. Für Heiner Finke steht fest: „Das ist eine Stammgruppe, auf die man sich verlassen kann.“

Es sind aber nicht nur Einheimische, die sich im Lerncafé als Stütze einbringen. Geflüchtete, die selbst schon einige Erfahrung in Deutschland gemacht haben, helfen inzwischen anderen MigrantInnen ebenso bei deren alltäglichen Problemen. Das sei bitter nötig, denn an direkten Betreuern, die beispielsweise bei Behördengängen dabei sind, mangle es aktuell noch, so Finke. Besonders die Wohnungssuche für geflüchtete Familien stellt in Trier oft eine große Herausforderung dar, so sucht er aktuell ein Haus für eine Frau, die mit neun Kindern aus Syrien geflohen ist – ihren sechs eigenen und den dreien ihres Bruders. Ihr Ehemann wurde während der Flucht erschossen.

Durch das Lerncafé werden aber auch Vorurteile unter Deutschen abgebaut: „Wir spüren inzwischen eine deutlich höhere Akzeptanz im Ort“, so Hans-Alwin Schmitz, „weil die Menschen plötzlich in der Nachbarschaft wohnen oder in den Vereinen mithelfen.“ Das Eis sei gebrochen und man helfe sich gegenseitig. Heidi Weiß, die federführend für das Projekt verantwortlich ist, ist stolz auf die Arbeit: „Man wird nicht alles erreichen, aber wir haben schon viel erreicht!“

Das Lerncafé Euren wird durch die Partnerschaft für Demokratie gefördert. Die Partnerschaft für Demokratie ist Teil des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

 

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